Leidenschaft für Europa

Es waren sehr intensive eineinhalb Stunden für die Schülerinnen und Schüler der 11. Klassen des Gymnasiums am Maristenkolleg. Sie hörten sich an, wie die Allgäuerin Barbara Lochbihler es geschafft hat, von ihrem Heimatort Ronsberg in die Welt der Politik einzutauchen und dort erfolgreich zu sein – trotz ihres Dialektes. „Ich habe immer gesagt, der Dialekt gehört zu meiner Identität und ich werde ihn nicht ablegen.“ Schon das alleine kam bei den Schülern sehr gut an.

Barbara Lochbihler, die am 20. Mai 1959 in Obergünzburg geboren und in Ronsberg aufgewachsen ist, sitzt seit der Europawahl 2009 für die Grünen im Europäischen Parlament. Seit Juli 2014 ist sie außen- und menschenrechtspolitische Sprecherin der Grünen/EFA-Fraktion. Zuvor war sie von 1999 bis 2009 Generalsekretärin der deutschen Sektion von Amnesty International.

Bei 1000 Bewerbungen griff man auf eine Frau zurück, auf Barbara Lochbihler. In klar verständlichen Worten schilderte sie ihren Job in der internationalen Politik. Man merkte ihr an, dass sie viel Energie und Herzblut in ihre Arbeit steckt, so dass sich die Schüler an einer anschließenden, regen Diskussion gerne beteiligten.



Barbara Lochbihler


Dieser „Tag der Freien Schulen 2018“ mit dem Motto „Tür auf – Abgeordnete unterrichten an Freien Schulen in Bayern“ wurde initiiert vom Verband Bayerischer Privatschulen. Die Schüler sollten auch in Mindelheim Politik authentisch erleben. Barbara Lochbihlers Schilderungen ihres Werdegangs, ihrer Studien und ihre Überzeugung, in der Europäischen Union etwas bewirken zu können, zeigte den Schülern auch auf, wie man sich selbst einbringen kann. So zum Beispiel bei einer nächsten Wahl, an der sie sich beteiligen und dann vielleicht selbst einen Weg in die Politik finden können.

Die wichtigste Frage für Barbara Lochbihler war stets: „Wie kann ich die Europäische Union am besten nutzen um etwas zu erreichen? Was kann ich gegen den modernen Sklavenhandel unternehmen, was gegen Folter oder Todesstrafen tun?“ Ein Beispiel: Deutschland importiere viele Fischprodukte aus Thailand. Das Land möchte einen Freihandel mit Europa abschließen. Sie sagte: „Ich beschäftige mich mit der Menschenrechtssituation in Thailand, die dort sehr schwierig ist.“



Das Militär habe die Macht, der letzte Putsch sei erst vor vier Jahren gewesen. Im Land leben und arbeiten laut Lochbihler viele arme Leute aus Myanmar, die meisten davon Analphabeten. Gerade sie jedoch würden in der Fischindustrie gebraucht, kämen auf Fischtrawler und könnten diese dann oft nicht mehr verlassen. Oft müssten sie ohne Lohn auskommen und bekämen nur Fischreste zu essen. Außerdem werde über Folter berichtet. „Diese Schiffe sind schwimmende Gefängnisse“, beklagte Lochbihler. Und Sklaverei und Zwangsarbeit würden bei einem Freihandelsabkommen eben nicht zugelassen. Es müssten europäische Standards eingehalten werden. Dadurch, dass die EU Druck auf die Regierung ausübe, gebe es jetzt echte Chancen. Und das ist laut Lochbihler, nur eines der Beispiele dafür, was europäische Politik bewirken könne.

Die Schüler hatten großes Interesse an den Ausführungen der Politikerin und stellten viele Fragen, auch zu der politischen Situation in Polen, Ungarn oder zum Austritt von Großbritannien aus der EU, die sie ausführlich beantwortete. Beim Referendum zum Brexit hätten zum Beispiel zu wenige junge Leute mitgemacht. Für Großbritannien sei das eine Katastrophe, so Lochbihler. Die EU sei eine Wertegemeinschaft. Sie sagte: „Wir haben sehr viele Baustellen bzw. kleine Feuer, die unsere Struktur zerstören können.“ Sie selbst sei durchaus kritisch gegenüber der EU. Wichtig sei für sie, die europäische Bevölkerung zu vertreten. Dass sie das mit Leidenschaft macht, war bei diesem Vortrag und der Diskussion deutlich zu spüren.


Zeitungsbericht der MZ vom 10.05.2018, Autorin: Maria Schmid
Artikel im Onlineangebot der Augsburger Allgemeinen
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